Horb. War Hugo von Hofmannsthal mal in Horb? Beim Open-Air Theater von "Jedermann" auf dem Marktplatz verschmolzen Spiel, Kulisse und Atmosphäre zu einem zauberhaften, beeindruckenden Gesamtwerk.

 
 

Doro Jakubowski, Regisseurin und Initiatorin dieses Wandertheaters: "In dieser Kulisse ist etwas ganz Besonderes zu spüren. In Dettingen bei der Premiere fühlte es sich erdiger an. Hier auf dem Marktplatz ist die Bühne zu den Seiten offen. Wir mussten sehr konzentriert spielen, um das Ping-Pong-Spiel mit dem sehr anspruchsvollen, konzentrierten Publikum hinzubekommen."

 

Auch Monika Golla, die eine Nebenrolle spielte, sagte: "Jeder Ort ist eine neue Herausforderung. Der Marktplatz war eine ganz besondere Bühnenpremiere."

In der Tat. Denn unbewusst verschmolzen der Inhalt des Stückes von Hugo von Hofmannsthal (1874 bis 1929), wo es um Glauben und materielles Glück geht, das Spiel der Schauspieler und die mittelalterliche Kulisse des Horber Bilderbuchs zu einem runden Ganzen. Eine magische Mischung auf dem Marktplatz.

Beispiel 1: Jedermann Andreas Schnell fabuliert selbstbewusst über sein entspanntes Leben, weil es ihm materiell so gut geht. Der weiße Schal weht und bildet mit der Deichsel des Wagens, den die aufgemalte Bäuerin zieht, und seinem gestreckten Arm mit Zeigefinger eine schräge Linie.

Beispiel 2: Der Bauer wird von der Polizei verhaftet – weil er dem Jedermann offenbar Geld schuldet. Seine Hände in Handschellen halten verzweifelt die Hand seiner Frau mit den beiden Kindern. Darüber auf dem historischen Bilderbuch steht "Liebe".

Beispiel 3: Doro Jakubowski steht als Mammon höhnend auf den Geldkisten. Rechts verzweifelt der Jedermann. Darüber gemalt die mittelalterliche Bauern- und Handwerkerkolonne, wie sie ihre Fron abliefern. Dazwischen hat der Maler auf das Rathaus den Slogan "Fleiß" aufgebracht.

Kein Wunder, dass der Jedermann auf dem Marktplatz das Publikum faszinierte und begeisterte.

Das größte Kompliment kam von der Schwedin Maria Mattsson: "Ich habe von der Sprache leider nichts verstanden. Aber das Spiel hat mich ergriffen. Als der Mann der jungen Frau abgeführt wurde, hatte ich Tränen in den Augen. Das zeigt mir, wie eine mitreißende schauspielerische Leistung es fertigbringt, die Inhalte so glaubhaft rüberzubringen, dass man selbst ohne Sprache begreift."

Michael Zerhusen, Vorsitzender des Fördervereins des Künstlerhauses: "Am Inhalt des Stückes habe ich meine Zweifel. Das liegt aber am Hugo. Die schauspielerische Leistung hat mir sehr gefallen und hat mich überzeugt."

Helen (21) gehörte sicherlich zu den jüngsten Zuschauerinnen auf dem Marktplatz: "Ich hatte mich vorher mit dem Stück nicht beschäftigt. Ich fand die Szenen teilweise sehr erfrischend. Besonders der Teufel im Publikum hat mich überzeugt."

Denn: Swen Richter sprang in das Publikum und machte mit ihm seine "teuflischen" Possen.

Auch Patricia (28) hat der Jedermann viel Spaß gemacht: "Die Hauptdarsteller haben einen tollen Job gemacht. Die Location hier auf dem Marktplatz ist toll. Lediglich die Akustik bei der Wende im Stück war etwas schlecht."

Hört sich also so an, als ob das Stück von Dorothea Jakubowskis "Chamäleon" aus Dettingen auf dem Marktplatz eine ganz besondere Magie entfaltet hat. Bruno Raible, der beim Catering mithalf: "Der Marktplatz mit seiner Atmosphäre und Kulisse ist genau der passende Platz und Rahmen für solche kulturellen Aufführungen." Lustig: Auch Heiderose Raible, Beatrice Kipp und Georg Djuga durften mit auf die Bühne, um die Festgesellschaft des Jedermann zu bewirten.

Klar, dass die drei hinterher auch mit auf die Bühne durften, um sich den verdienten Applaus abzuholen. Weinhändler Georg Djuga schmunzelte: "Der Beifall, den ich empfangen durfte, stand in keinerlei Verhältnis zu meinem Einsatz."